Interkultureller Gottesdienst

Arbeitshilfe Seite 7 - 14

Verschiedene Gesichter - ein Gott - eine Taufe

Wie kann man einen ökumenisch-interkulturellen Gottesdienst entwickeln und vorbereiten? Unsere Erfahrung ist: in einem Team mit Gebet und Gleichberechtigung.

Es beginnt also nicht mit der Frage: Macht ihr mit? Denn das setzt ja voraus, dass ein Kernteam das Konzept schon im Kopf hat und die anderen nur noch einspannen will. Sondern Startpunkt ist die Frage: Wollen wir etwas gemeinsam machen?

Entsprechend geht es dann nicht mit der Frage weiter: Welche Teile des Gottesdienstes übernimmt wer? – sondern: Wie machen wir das? In manchen christlichen Traditionen gehört ein ausführlicher Lobpreisteil zum Gottesdienst, andere zelebrieren einen feierlichen Einzug, wieder andere beginnen mit einem musikalischen Stück … Warum nicht gemeinsam den Ablauf überlegen: Was ist jeder und jedem wichtig, und wo hat das dann seinen Platz im, vor oder nach dem Gottesdienst?

Dasselbe gilt auch für das Thema: Welches Thema passt gerade – Jahreszeit? Lebenszyklus? Danken? Frieden?...

Nehmen Sie sich sowohl bei der Frage nach dem Ablauf als auch bei den Überlegungen zum Thema genügend Zeit und hören Sie einander zu! Nicht immer fällt es Menschen leicht, Anliegen und Ideen gleich zu äußern und gegenüber (pastoralen) Einwänden zu verteidigen. Gerade ökumenisch-interkulturelle Gottesdienste brauchen vielfältige Möglichkeiten der Partizipation und sind Gelegenheiten, einander kennenzulernen: Nicht jedem ist eine Predigt im Gottesdienst wichtig, und für manche ist nach 90 Minuten eigentlich die Schmerzgrenze bezüglich der Länge eines Gottesdienstes erreicht. Reden Sie offen über solche Fragen und suchen Sie ggf. nach tragfähigen Kompromissen! Das braucht Zeit, macht aber auch Spaß!

Die Zeit vergehtübrigens angenehmer, wenn es eine Kleinigkeit zu essen (z. B. Kekse oder belegte Brötchen) und etwas zu trinken gibt. Vielleicht ist es selbstverständlich, aber dennoch: Gerade wenn es das erste Mal ist, dass Sie einen solchen Gottesdienst vorbereiten und feiern – sprechen Sie alles haarklein ab: Wer steht wo? Wer nimmt wann welches Mikro?

Überlegen Sie gemeinsam mögliche Plätze für Chöre und oder Technikerinnen. Wer kommt wann nach vorne und trägt in welchen Sprachen z. B. die jeweilige Version des ›Hallelu- Hallelu- Hallelu- Halleluja‹ (s. Seite 9) vor? Werden Fürbitten mit dem Gesicht zur Gemeinde oder zum Altar gesprochen?

Schließlich: Gestalten Sie Entscheidungsprozesse transparent und nachvollziehbar. Kurze Protokolle ermöglichen es Menschen, auch später mit einzusteigen, so dass sich das Team noch während des Prozesses erweitern kann. Und dann last, but not least: Achten Sie darauf, dass nicht nur der Gottesdienst, sondern auch schon seine Vorbereitung ein geistliches Geschehen sein kann. Geben Sie beim Planen ausreichend Raum für das Hören auf die Schrift und das Beten.

Viel Spaß und Gottes Segen bei der Vorbereitung und beim Feiern!

 

Die Autoren

Fritz Baltruweit, Inga Göbert und Dirk Stelter

Pastor Fritz Baltruweit, Haus kirchlicher Dienste und Evangelisches Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik im Michaeliskloster Hildesheim, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Pastorin Inga Göbert, bis März 2013 Projektkoordinatorin ‹Gemeinden anderer Sprache und Herkunft als ekklesiologisch- ökumenische Herausforderung für die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers‹

Pastor Dirk Stelter, Ökumenebeauftragter, Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers